Das Feld ist für Berlin und seine Bewohner ein Schatz

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das Feld ist für Berlin und seine Bewohner ein Schatz, eine Oase mit Horizontblick, ein Geschenk in einer immer mehr verdichteten Stadt. Berlin braucht solche Orte, um lebenswert zu sein, und zwar ohne Kompromiss.

Warum holzen wir nicht den Tiergarten ab? Oder legen die Spree trocken, um für Media­spree-Angestellte arbeitsnahe Wohnsilos zu schaffen? Und zum Ausgleich gibt es einen Park auf dem Gelände des heutigen Willy-Brandt-Hauses! Absurd? Ja – genauso wie die Diskussion um eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes.

Berlin braucht das freie, unbebaute und nicht durch jahrelangen Baustellenterror malträtierte Feld auch, um eine demokratische Stadt zu bleiben. Der Volksentscheid hat demokratischen Frieden geschaffen. Die Illusion der Mitbestimmung hat sich für einen Moment manifestiert; die Stadtgesellschaft hat sich behauptet gegen die Mehrheit der Politiker. Diesen Frieden aufzukündigen, wie es insbesondere die SPD gerade tut, desillusioniert mehr als jedes uneingelöste Wahlversprechen. Auch ein zweiter Volksentscheid würde daran nichts ändern. Das Volk so lange abstimmen zu lassen, bis es die richtige Meinung hat, ist elitäre Verachtung.

Gerade hat der Senat seinen Stadtentwicklungsplan vorgelegt, der genau bestimmt, wo in den nächsten elf Jahren 199.000 Wohnungen geschaffen werden können. Geht es an! Über ein paar tausend Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld zu schwadronieren, geht am Bedarf der Stadt völlig vorbei. So zu tun, als wären sie die Lösung im Kampf gegen den Mietenwahnnsinn, ist Demagogie. Überhaupt muss der SPD-Vorstoß als Strategie gesehen werden, sich als Baupartei gegen die „Bauverhinderer“ der Linken zu positionieren.

Totgeschwiegen wird derweil ein Vorschlag des Architekten Arno Brandlhuber, auf dem Dach des Flughafengebäudes zu bauen. 3.500 Wohnungen wären hier drin, etwa so viele, wie am Rand entstehen sollen. Wer unbedingt Wohnungen am Feld will: Da könnt ihr sie haben.

taz, 22.5.2019, Erik Peter

 

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